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        gilt es vorläufig sichtbar zu machen. Hierbei muß die Erörterung
        den nachkommenden und erst eigentlich aufweisenden Analysen
        vorgreifen.
        Das Dasein ist ein Seiendes, das nicht nur unter anderem Seienden
        vorkommt. Es ist vielmehr dadurch ontisch ausgezeichnet,
        daß es diesem Seienden in seinem Sein um dieses Sein selbst geht.
        Zu dieser Seinsverfassung des Daseins gehört aber dann, daß es
        in seinem Sein zu diesem Sein ein Seinsverhältnis hat. Und dies
        wiederum besagt: Dasein versteht sich in irgendeiner Weise und
        Ausdrücklichkeit in seinem Sein. Diesem Seienden eignet, daß mit
        und durch sein Sein dieses ihm selbst erschlossen ist. Seinsverständnis
        ist selbst eine Seinsbestimmtheit des Daseins. Die ontische
        Auszeichnung des Daseins liegt darin, daß es ontologisch ist.
        Ontologisch-sein besagt hier noch nicht: Ontologie ausbilden.
        Wenn wir daher den Titel Ontologie für das explizite theoretische
        Fragen nach dem Sinn des Seienden vorbehalten, dann ist das
        gemeinte Ontologisch-sein des Daseins als vorontologisches zu
        bezeichnen. Das bedeutet aber nicht etwa soviel wie einfachhin
        ontisch-seiend, sondern seiend in der Weise eines Verstehens von
        Sein.
        Das Sein selbst, zu dem das Dasein sich so oder so verhalten
        kann und immer irgendwie verhält, nennen wir Existenz. Und
        weil die Wesensbestimmung dieses Seienden nicht durch Angabe
        eines sachhaltigen Was vollzogen werden kann, sein Wesen vielmehr
        darin liegt, daß es je sein Sein als seiniges zu sein hat, ist der
        Titel Dasein als reiner Seinsausdruck zur Bezeichnung dieses
        Seienden gewählt.
        Das Dasein versteht sich selbst immer aus seiner Existenz, einer
        Möglichkeit seiner selbst, es selbst oder nicht es selbst zu sein.
        Diese Möglichkeiten hat das Dasein entweder selbst gewählt oder
        es ist in sie hineingeraten oder je schon darin aufgewachsen. Die
        Existenz wird in der Weise des Ergreifens oder Versäumens nur
        vom jeweiligen Dasein selbst entschieden. Die Frage der Existenz
        ist immer nur durch das Existieren selbst ins Reine zu bringen.
        Das hierbei führende Verständnis seiner selbst nennen wir das
        existenzielle. Die Frage der Existenz ist eine ontische »Angelegenheit
        « des Daseins. Es bedarf hierzu nicht der theoretischen
        Durchsichtigkeit der ontologischen Struktur der Existenz. Die
        Frage nach dieser zielt auf die Auseinanderlegung dessen, was
        Existenz konstituiert. Den Zusammenhang dieser Strukturen
        nennen wir die Existenzialität. Deren Analytik hat den Charakter
        nicht eines existenziellen, sondern existenzialen Verstehens. Die
        Aufgabe einer existenzialen Analytik des